Montag, 9. November 2015

Merkel: Keine Angst vor dem Islam, bitte!



Worte, aus Kanzlerinnenmund ausgestoßen, am 03. 09. 2015 bei der Entgegennahme einer Ehrendoktorwürde in Bern, anläßlich der Beantwortung einer Frage aus dem Publikum

Fragestellerin
Frau Bundeskanzlerin, danke daß ich das Wort kriege. Ähm, Sie haben vorhin auch die Verantwortung von dieser ganzen Geschichte mit den Flüchtlingen angesprochen. Eine der Verantwortungen isch es ja aber auch, uns hier in Europa zu schützen. Und vor allem mit Flüchtlingen aus Syrien und aus diesen Ländern kommen ja noch mehr Leute mit einem islamischen Hintergrund zu uns. Und ich glaube, was der Herr vorhin angesprochen hat, beinhaltet ja auch eine große Angst hier in Europa zu dieser Islamisierung, die immer mehr stattfindet. Wie wollen Sie Europa in dieser Hinsicht und unsere Kultur schützen?

Merkel
Ähm, ich glaube erst einmal, daß der Islamismu, äh, Islamismus und die, der islamistische Terror leider Erscheinungen sind, die wir ganz stark natürlich in Syrien haben, in Libyen haben, im Norden des Irak haben, aber zu denen, äh, leider die Europäische Union, ähm, eine Vielzahl von Kämpfern beigetragen hat. Und, äh, wir können nich sagen, das is ein Phänomen, das uns nichts angeht, sondern es sind zum Teil Menschen, oft sehr junge Menschen, die in unsern Ländern aufgewachsen sind, und wo, ähm, wir auch unsern Beitrag leisten. Zweitens, ähm, Angst war noch nie ein, äh, guter Ratgeber, es isses im persönlichen Leben nich und es is’s auch im gesellschaftlichen Leben nich. Kulturen und Gesellschaften, die von Angst geprägt sind, werden mit Sicherheit die Zukunft nich meistern. Und drittens, ähm, wir haben diese Debatte natürlich auch, ähm, daß wir sehr viele Muslime in Deutschland haben. Wir haben die Debatte darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört. Wenn man vier Millionen Muslime hat, finde ich, brauch man, äh, nich darüber zu streiten, ob jetzt die Muslime zu Deutschland gehören und der Islam nich, oder ob der Islam auch zu Deutschland gehört. Ähm, aber, äh, da gibt es auch diese, diese Sorgen, und ich muß Ihnen ganz ehrlich sagen, ähm, wir, äh, haben doch alle Chancen und alle Freiheiten, uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen. Und wenn ich was vermisse, dann ist das nich, daß ich irgend jemandem vorwerfe, daß er sich zu seinem, ähm, muslimischen Glauben bekennt, sondern, dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, daß wir Christen sind, haben wir doch den Mut zu sagen, daß wir da in einen Dialog eintreten, äh, haben wir doch den, dann aber auch bitteschön die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen, oder, ähm, ’n bißchen bibelfest zu sein, und vielleicht auch mal ’n Bild in der Kirche noch erklären zu können, und, äh, wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da würd ich mal sagen, isses mit der Kenntnis übers christliche Abendland nicht so, äh, weit her. Und sich dann anschließend zu beklagen, daß sich Muslime im Koran besser auskennen, das find ich irgendwie komisch. Und vielleicht, äh, kann uns diese Debatte auch mal wieder dazu führen, daß wir uns mit unsern eigenen Wurzeln befassen und ’n bißchen mehr Kenntnis darüber haben. Und insofern finde ich diese Debatte sehr, äh, defensiv. Gegen terroristische Gefahren, muß man sich wappnen. Und ansonsten ist die europäische Geschichte so reich an so dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen, daß wir sehr vorsichtig sein sollten, uns sofort zu beklagen, wenn wo anders was Schlimmes passiert. Wir müssen angehen dagegen, wir müssen versuchen, das zu bekämpfen. Aber wir haben nun überhaupt keinen Grund auch zu größerem Hochmut, muß ich sagen, das sag ich jetzt als deutsche Bundeskanzlerin.

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